SeitenWechsel im Gespräch: Dr. Tom Alby der Allianz Trade
In unserem Format „SeitenWechsel im Gespräch“ berichtete Tom Alby über seinen SeitenWechsel in einem Hospiz.
Die Entscheidung, dass er in ein Hospiz gehen möchte, war für Tom Alby recht schnell getroffen: „Ich wollte etwas machen, wovor ich am meisten Respekt hatte. Der Tod gehört zum Leben dazu, aber wir reden nicht darüber. Wenn irgendwo ein Todesfall ist und es einen nicht selbst in nächster Verwandtschaft betrifft, wird es auch schnell wieder abgehakt. Und ich wollte mich dem aussetzen.“
Tom Alby berichtete, dass ihn zwischen dem Markttag und dem SeitenWechsel ein Todesfall stärker als erwartet bewegte und dies seine Entscheidung noch einmal in Frage gestellt hat: „Ich hatte Gespräche mit meiner Begleiterin aus dem Hospiz und einer Psychologin darüber. Ursprünglich dachte ich, ich kann das, aber nun war ich neben der Spur. Meine Begleiterin fragte dann: 'Hast du dich mal gefragt, was dich hier getriggert hat, obwohl du in deinem Zivildienst bereits mit dem Tod zu tun hattest?' Diese Frage begleitet mich bis heute und ich kann sie auch auf meinen Beruf übertragen, denn es gibt immer wieder Situationen oder Menschen, die einen triggern. Wenn jemand gegen meine Werte verstößt, frage ich mich: Liegt es an der Person oder liegt es an mir? Natürlich spielt beides eine Rolle, aber letztlich betrifft es mich. Die Frage, was mich triggert, was dazu führt, dass ich mich so fühle, war eine extrem wertvolle Erkenntnis, schon vor dem SeitenWechsel. Letztendlich entschied ich mich dann dafür, trotz meiner Bedenken in die Woche zu gehen.“
Im Verlauf der Woche, berichtete Tom Alby, wurde ihm bewusst, wieso ihn der Todesfall so emotional getroffen hat: „In diesem Fall hatte ich eine sehr persönliche Beziehung aufgebaut. Mir kam dann die Frage auf: 'Wie geht man als Mitarbeiter damit um, wenn ein Gast verstirbt?' Die Mitarbeitenden berichteten, bei manchen habe man eine persönliche Beziehung, bei manchen eben nicht.“
„Ansonsten bestand meine größte Angst am ersten Tag darin, nicht zu wissen was sich hinter den Türen verbirgt. Was sehe ich da, welches Leid, was für Menschen? Das hat sich sehr schnell verändert. Ich habe am Montagmorgen angefangen und nach zwei bis drei Stunden war dieses Gefühl vorbei. Ich hatte alle Gäste kennengelernt, das erste Essen angereicht und erste Gespräche geführt.“, so Tom Alby über seine Ängste vor der SeitenWechsel-Woche.
Tom Alby beschrieb, dass die gesamten Erfahrungen aus dem SeitenWechsel sehr prägend waren, sodass er sich auch nach der SeitenWechsel-Woche ehrenamtlich in dem Hospiz engagieren möchte. Beruflich hat er vor allem deutlich mehr Klarheit mitgenommen, sodass er heute stärker die eigenen Triggerpunkte hinterfragt und gelassener agieren kann. Beim SeitenWechsel im Gespräch bestätigte dies auch eine seine Mitarbeitenden: „Was man merkt, ist, dass du bei bestimmten Themen eine Ruhe gewonnen hast. Wenn ich eher aufgeregt bin und denke: 'Oh Gott, das ist schiefgelaufen', dann merkt man, dass du das anders einordnest.“