Das Blomenberg-Haus: Suchthilfe aus Bochum
5 Fragen an Thomas Kahlert, Einrichtungsleitung beim Blomenberg-Haus, Caritasverband Ruhr-Mitte e.V., Bochum
Das Blomenberg-Haus ist eine „Einrichtung der Besonderen Wohnform in der Eingliederungshilfe“ in Bochum-Laer mit bis zu 20 chronisch alkoholkranken Bewohner*innen - und eine unserer Partnereinrichtungen im SeitenWechsel im Themenfeld „Suchthilfe“. In einem kurzen Interview möchten wir euch die Einrichtung gerne näher vorstellen.
Wie groß ist dein Team und was ist ihre größte Stärke?
Das Team besteht aus 18 Mitarbeitenden, die eine 24-stündige Präsenz sicherstellen. Eine der Stärken ist die hohe fachliche Kompetenz gepaart mit einer Flexibilität, die zum Wohl der Bewohner*innen eingesetzt wird. Der Arbeitsalltag ist oft geprägt durch unvorhergesehene und ungeplante Notwendigkeiten, die im Team abgefedert werden müssen.
Was würde in deiner Stadt fehlen, wenn es deine Einrichtung nicht mehr gäbe?
Fehlen würde die Möglichkeit, Menschen mit einer Alkoholerkrankung einen sicheren Ort zu bieten, an dem es gelingen kann, unter abstinenten Bedingungen eine Lebensperspektive zu entwickeln die es ermöglicht, dauerhaft auf Suchtmittel zu verzichten.
Warum macht deine Einrichtung im Programm SeitenWechsel als Einsatzort mit?
Wir beteiligen uns am Programm SeitenWechsel, weil wir uns möglichst viele Multiplikatoren wünschen, die den Menschen hinter der Suchterkrankung kennenlernen und so die Scheu vor diesem Thema verlieren. Im günstigsten Fall wirkt das Erlebte in die Kontakte zu Kund*innen aber auch Arbeitskolleg*innen hinein.
Was war die prägendste Erfahrung mit einem*r SeitenWechsler*in?
Alle SeitenWechsler*innen haben wir als aufgeschlossen, verlässlich und neugierig erlebt. Einzelne Schlüsselerlebnisse sind schwer zu benennen. Wir hatten einen SeitenWechsler, der uns nach seinem Einsatz kartonweise Preise für eine Tombola zur Verfügung stellen konnte, ein anderer hat kritisch auf unseren Stromverbrauch geschaut. Alle bisherigen SeitenWechsler*innen sind offen und unvoreingenommen in Kontakt zu unseren Bewohner*innen getreten.
Wenn du dir für die Einrichtung oder für die Gesellschaft etwas wünschen könntest, was wäre das?
Grundsätzlich würde ich mir wünschen, dass es ein Bewusstsein dafür gibt, dass Suchtmittel-Abhängigkeit eine anerkannte Erkrankung ist, die mit einer Vielzahl von Behandlungsbausteinen zum Stillstand gebracht werden kann. Im öffentlichen Raum wird oftmals nur der „besoffene Penner“ oder der „durchgeknallte Junkie“ wahrgenommen. Das Leid und der Mensch dahinter werden eher ignoriert. Während meiner jahrzehntelangen Arbeit mit suchtmittelabhängigen Menschen habe ich selten Betroffene kennengelernt, die kein Interesse an der Verbesserung ihrer Lebensumstände hatten und mit dem (konsumbestimmten) Status quo zufrieden waren.
Danke, dass ihr im Dortmunder-Raum dabei seid!