Die Arbeit in einem sozialpsychiatrischen Zentrum
Einige unserer deutschlandweit vertretenen Partnerinstitutionen begleiten Menschen mit psychischen Erkrankungen in Tageskliniken, Tagesstätten oder Wohnheimen. SeitenWechsler*innen haben hier die Möglichkeit, den beruflichen Alltag von Pflege- und Fachkräften mitzuerleben und mit Menschen mit psychischen Krisen direkt ins Gespräch zu kommen.
Um dieses wichtige Arbeitsfeld sichtbarer zu machen und persönliche Einblicke zu ermöglichen, fand in unserer Reihe „SeitenWechsel im Gespräch“ eine Veranstaltung mit einer SeitenWechslerin sowie mit Mitarbeitenden vom Clubhaus München Giesing statt. Das Clubhaus München Giesing arbeitet nach dem Konzept von „Clubhouse International“, bei dem Menschen mit psychischen Erkrankungen Unterstützung bei der sozialen und beruflichen Teilhabe erhalten. Gemeinsam bringen sich Mitarbeitende und Mitglieder im sogenannten „Arbeitsorientierten Tag“ ein. Hierzu gehört eine Bürogruppe, eine Küchengruppe sowie unterschiedliche Tätigkeiten mit dem Schwerpunkt der Öffentlichkeitsarbeit (Podcast, Clubhauszeitung, Vorträge bei Partnern in der Wirtschaft und öffentlichen Verwaltung).
Einrichtungsleiter Marco Schild erläuterte im Gespräch den Mehrwert vom SeitenWechsel für seine Einrichtung:
„Im sozialen Bereich befindet man sich häufig in einer Art „Blase“. Da ist es für uns total bereichernd, wenn mal jemand externes reinkommt. Dadurch bekommen wir viele neue Impulse und einen frischen Blick auf die Sachen. Unser Konzept lebt davon, dass wir stark auf Augenhöhe arbeiten und jemand, der neu ins Clubhaus reinkommt, erstmal gar nicht weiß, wer Mitarbeiter und wer Mitglied ist. Wir hatten schon insgesamt drei SeitenWechsler*innen und daraus sind jeweils tragfähige und nachhaltige Beziehungen entstanden.“
SeitenWechsler*in Diana Srebrzynski hatte die Chance, sich unvoreingenommen auf ihre Woche im Clubhaus einzulassen und berichtete, was für sie der SeitenWechsel gebracht hat:
„In dieser Woche wurde mir noch einmal sehr bewusst, dass wir alle im Laufe unseres Lebens sowohl herausfordernde als auch stärkende Phasen durchlaufen. Meine eigenen Erfahrungen haben mir als Führungskraft einen wichtigen Perspektivwechsel ermöglicht: genauer hinzuhören und bewusster wahrzunehmen, wie es den Menschen in meinem Team wirklich geht. Ich arbeite in einem globalen Technologieunternehmen, in dem Ziele, Leistungsvereinbarungen und wirtschaftlicher Erfolg eine zentrale Rolle spielen. In diesem Umfeld gerät man leicht in ein hohes Tempo - das kenne ich auch aus eigener Erfahrung. Umso wertvoller war diese Erkenntnis für mich.
Neben der fachlichen Verantwortung trage ich auch Verantwortung für mich selbst als Mensch und für die Menschen, mit denen ich zusammenarbeite. Mir ist es wichtig, jedem Einzelnen den Raum zu geben, offen anzusprechen, wenn etwas zu viel oder zu wenig ist oder wenn Unterstützung gebraucht wird. Meine persönliche Empfehlung ist daher, bewusst die Perspektive zu wechseln, empathisch zu bleiben und den Dialog zu suchen – denn nachhaltiger Erfolg entsteht nur dort, wo Menschen sich gesehen, gehört und unterstützt fühlen.“