Wie ist die Lage bei der Freien Hilfe Berlin?
SeitenWechsel bietet Perspektivwechsel und Einblicke in Lebenswelten, mit denen unsere Teilnehmer/innen sonst wenig Berührung haben. Diese Einblicke möchten wir auch jetzt, während der Corona-Pandemie, bieten, wenn unsere Arbeit nicht durchführbar ist wie sonst.
Wir haben Anja Seick, Bereichsleiterin bei der Freien Hilfe Berlin gefragt, wie es den Kolleginnen und Kollegen, den Klientinnen und Klienten in ihrer Einrichtung geht. Der Freie Hilfe Berlin e.V. wurde 1990 gegründet und berät straffällige und wohnungslose Menschen und ihre Angehörigen bei der Überwindung ihrer persönlichen und sozialen Schwierigkeiten vor, während und nach der Haft.
SeitenWechsel: Wie sieht die Lage bei Ihnen aus?
Anja Seick: Als freier Träger der Straffälligenhilfe haben wir es im Alltag unserer beruflichen Praxis mit einem Klientel zu tun, von welcher viele zur Risikogruppe gehören. Dies erfordert besondere Achtsamkeit in der alltäglichen Arbeit.
Unsere Mitarbeiter führen normalerweise regelmäßig Sprechstunden in den Justizvollzugsanstalten durch, welche zurzeit zum Teil eingeschränkt sind. In der JVA Moabit können wir unsere persönliche Sprechzeit beispielsweise nicht mehr durchführen, um die Inhaftierten vor der Ausbreitung des Virus zu schützen. Auch unsere offene Sprechstunde in der Beratungsstelle musste aus diesem Grund eingeschränkt werden.
Weiterhin halten wir die Möglichkeit persönlicher Beratung in Notfällen vor. Unsere Tätigkeit für unsere Klientel ist wichtig, diese haben auch einen Rechtsanspruch, Hilfe und Unterstützung bei besonders schwierigen Lebensumständen zu erhalten. Wir versuchen dem so gut es eben in dieser Zeit möglich ist, gerecht zu werden. Wir haben eine Notfallhotline eingerichtet, an welche sich unsere Klienten wenden können.
SeitenWechsel: Wie können die Menschen Sie als Einrichtung unterstützen?
Anja Seick: Wir unterstützen im besonderen Maße das ehrenamtliche Engagement im Bereich des Strafvollzuges, indem wir Vollzugshelfer ausbilden und in ihrer Tätigkeit begleiten. In dieser besonderen Zeit ist das ehrenamtliche Engagement der Vollzugshelfer aufgrund der Besuchsbeschränkungen in den Justizvollzugsanstalten nicht möglich. Wir hoffen, dass unsere Ehrenamtlichen bald wieder ihre Tätigkeit in den JVAen aufnehmen können.
SeitenWechsel: Welche guten Seiten hat die Situation im Moment? Was könnte positives daraus entstehen?
Anja Seick: Alle Mitarbeiter unseres Trägers sind solidarisch und engagiert in ihrer Arbeit und setzen sich weiterhin für unsere Klienten ein. Dies ist in Anbetracht der Situation etwas Besonderes, was das Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Kollegen stärkt.