Wie ist die Lage im Fachkrankenhaus Hansenbarg?
SeitenWechsel bietet Perspektivwechsel und Einblicke in Lebenswelten, mit denen unsere Teilnehmer/innen sonst wenig Berührung haben. Diese Einblicke möchten wir auch jetzt, während der Corona-Pandemie, bieten, wenn unsere Arbeit nicht durchführbar ist wie sonst.
Wir haben Dr. rer.nat. Thomas Hilge, Leitender Psychologe im Fachkrankenhaus Hansenbarg gefragt, wie es den Kolleginnen und Kollegen, den Klientinnen und Klienten in seiner Einrichtung geht.
SeitenWechsel: Wie sieht die Lage bei Ihnen aus?
Dr. rer.nat. Thomas Hilge: Wir im Hansenbarg sind weiter für unsere suchterkrankten Patient*innen da, die sich oft in echten Notlagen befinden. Ihre Versorgung steht zusammen mit dem Schutz der Mitarbeiter*innen für uns an erster Stelle. Für Niedersachsen – unser Fachkrankenhaus liegt am Rande der Lüneburger Heide – gibt es derzeit keine gesundheitsbehördlich verfügten Aufnahmestopps.
Die wesentlichen, von uns in einem großen Kraftakte umgesetzten Maßnahmen: Die Patientenzahl wurde reduziert, um eine Einzelzimmerunterbringung zu gewährleisten. Wir nehmen nur noch einmal wöchentlich kohortenweise neu auf, die Patient*innen sind dann zusammen in 14-tägiger Quarantäne und erhalten auf einer räumlich getrennten Station ein Aufnahmeprogramm. Am Ende der Quarantänezeit werden die Patient*innen auf eine Coronainfektion getestet und nur mit negativem Befund ins Normalprogramm übernommen. Bisher waren alle Testergebnisse negativ!
Alle Rehaangebote finden weiter statt, allerdings in geschrumpften Gruppen und in größeren Räumlichkeiten. Sogar die therapeutisch wichtigen Angehörigengespräche realisieren wir – im Freien in unserer offenen Grillhütte mit Abstand.
Für die Patient*innen besteht eine Heimfahrt- und Besuchssperre – das ist sicherlich auf Dauer die größte Herausforderung. Das Besuchsverbot konnten wir allerdings aktuell lockern.
Natürlich haben wir auch ein Abstandsgebot eingeführt, die Situation im Speisesaal verändert, Hygienemaßnahmen geschult, Isolationszimmer eingerichtet, Personal und Patient*innen tragen Mund-Nasen-Masken und viele andere Maßnahmen mehr.
Wir freuen uns sehr, dass so viele Patient*innen trotz dieser Einschränkung ihre Reha bei uns antreten. Und wir sind erleichtert, dass wir bislang keine nachgewiesenen Infektionen in der Patienten- und in der Mitarbeiterschaft haben.
SeitenWechsel: Wie können die Menschen Sie als Einrichtung unterstützen?
Dr. rer.nat. Thomas Hilge: Unsere Klinik verfügt über zahlreiche Kooperationspartner, die – wie auch das Programm SeitenWechsel – stark dazu beitragen, ein Verständnis für die Bedürfnisse von suchterkrankten Menschen in der Gesellschaft zu etablieren. Das stärkt auch die Akzeptanz für unsere Arbeit und die der vielen anderen Suchthilfe-Einrichtungen in Hamburg und bundesweit. Wir wünschen uns, dass diese Kooperationen den Lockdown überstehen und fortgesetzt werden können, auch wenn unsere Partner sicher selbst vor großen Herausforderungen stehen.
SeitenWechsel: Welche guten Seiten hat die Situation im Moment? Was könnte positives daraus entstehen?
Dr. rer.nat. Thomas Hilge: Wir erleben hier in der Klinik ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl der Mitarbeiterschaft. Die Krise stärkt unsere Gemeinschaft und dafür an dieser Stelle ein Dankeschön an alle rund 60 Mitarbeiter*innen, die zurzeit Außergewöhnliches leisten.
Die Einrichtungen der Suchtkrankenhilfe haben in den vergangenen Wochen sehr viel Unterstützung von politischer Seite erfahren. Da hat sich die langjährige Arbeit unsere Fachverbände und unser eigenes Engagement richtig ausgezahlt. Darauf können wir stolz sein!